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Bis zum Tode…

Seit eh und je herrscht eine heftige Kontroverse über die Frage, ob der Mensch natürlicherweise monogam sei. Das Für und Wider wird oft emotional verteidigt. Tatsache ist, dass viele Ehen nach kurzer oder langer Zeit als Scherbenhaufen enden. Mit dem ihm eigenen Sarkasmus schreibt Voltaire in einem mit „Divorce“ betitelten Artikel: Die Scheidung stammt wahrscheinlich aus derselben Zeit wie die Ehe. Ich glaube trotzdem, dass die Ehe einige Wochen älter ist. Bei diesen düsteren Erkenntnissen ist die Frage berechtigt, warum eigentlich geheiratet wird. Die Gründe sind vielfältig. Sie reichen vom natürlichen Sexualtrieb, „Verliebtheit“ wir er verklärend genannt, bis zur Machterweiterung. Dazwischen liegen unzählige Schattierungen. Hofieren, Erwerben, Überlisten, Entführung, Gewalt anwenden sind bekannte Strategien des Balztanzes. Die schlaueste Version haben die österreichischen Strategen gefunden. „Bella gerant alii, tu felix Austria nube“ (Kriege führen mögen die anderen, du glückliches Austria heirate). Und Austria wuchs durch Ja-Wörter und Kindersegen.

In der Geschichte sind aber unzählige, zum Teil absurde Gründe für die Scheidung vorgebracht worden. Ich warte darauf, dass ein Scheidungsrichter seine Erfahrungen in einem Werk niederschreibt, mit dem Titel „Enzyklopädie der Scheidungsgründe“. Ehebruch, Zerrüttung, Entführung, Familientraditionen, Befehle von Stärkeren, wirtschaftliche Interessen und viele andere Motive führten zur Scheidung. Die gesetzlichen Konzessionen dafür waren für Mann und Frau nicht immer gleich, dem Mann genügte gelegentlich, dass er seiner Frau einen Brief schrieb, worin er sie für „frei“ erklärte. In anderen Fällen war die Scheidung nur dann erlaubt, wenn einer der beiden Parteien in ein Kloster eintreten wollte, was die Befürchtung aufkommen liess, dass dadurch die Zahl der Giftmorde wachsen könnte, eine Befürchtung, die bei einigen Völkern als Schutz vor Gattenmord die Witwenverbrennung einführte. Im Gesetzeswerk von Romulus war es der Frau verboten, ihren Mann zu verlassen, dem Mann hingegen erlaubt, seine Frau wegen Giftmischerei, Unterschiebung fremder Kinder, Nachahmung der Schlüssel und Ehebruch zu verstossen. Die jüdische Schule der Hillel besagte, dass das schlechte Kochen eines einzigen Gerichtes, das ungeniessbar wurde, ein hinreichender Scheidungsgrund für den Mann wurde. Ein willkommener Fluchtweg für die Frauen. Um die hohen Hürden einer Scheidung war es im Staate New York zu umgehen, wurden falsche Zeugen angeheuert, die einen gesetzlichen „Ehebruch“ bezeugten. Eine starke Begründung dafür war Grausamkeit. Als ein bekannter Filmstar von seiner Frau geschieden wurde, brachte der Zeuge einen Grund für Grausamkeit vor: Jener hätte wiederholt Freunde nach Hause eingeladen, um über Kant zu diskutieren. Welche Tortur für eine arme Ehefrau!